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Schleppjagdverein von Bayern e.V.
gegründet 1986

Die Meute aus dem "Wittelsbacher Land"
Schirmherr: SKH Luitpold Prinz  von Bayern

    Jagd auf schloss Harburg am 18.10.2020

 

21. Schleppjagd auf Schloss Harburg, zum 11. Mal unter der Jagdherrschaft Guggenberger

Hoch oben thront sie mächtig, die beeindruckende mittelalterliche Burganlage Harburg. Sie liegt direkt an der Romantischen Straße mitten im Herzen von Bayerisch-Schwaben und oberhalb der gleichnamigen Stadt Harburg an der Wörnitz zwischen Donauwörth und Nördlingen.

Nachweislich reicht die Geschichte der Harburg bis in das Jahr 1150 zurück. Und sie zählt mit ihrer bewegten Geschichte zu den größten, ältesten und am besten erhaltenen Burganlagen Süddeutschlands. Seit dem Jahr 2000 ist die Harburg im Besitz und Eigentum der „Gemeinnützigen Fürst zu Oettingen-Wallerstein Kulturstiftung“. Zweck dieser Stiftung ist der Erhalt der einzigartigen Anlage in Gegenwart und Zukunft.

Seit Jahrhunderten sind Fürsten und Grafen von dieser Burg aus ins Umland auf die Jagd auf Hirsche, Rehe, Füchse und Hasen gegangen. Was könnte man sich als begeisterter Jagdreiter also Passenderes vorstellen, als eben hier eine Schleppjagd zu reiten – zwar nicht mehr auf lebendiges Wild, dafür folgt heute die Hundemeute dem Scent, also einer künstlich gelegten Spur.

Denn, wie unser Präsident Toni Wiedemann, Herz und Motor des SvBs, in seiner wirklich beeindruckenden Serie: „Schlösser beleben – Geschichte erleben!“ geschrieben hat, soll man „den Sport dahin zurückbringen, wo er seinen Ursprung hatte!“ Und das ist mit gerade dieser Jagd zu hundert Prozent gelungen!

Vor 21 Jahren fand die erste Schleppjagd auf der Burg statt, seit nunmehr 11 Jahren übernimmt der Vize-Präsident des SvBs, Robert Guggenberger, die Jagdherrschaft und das damit verbundene Sponsoring; als Schirmherr steht S. D. Fürst zu Oettingen-Wallerstein.

Angesetzt waren acht Schleppen mit zehn festen und einer Reihe natürlicher Hindernisse, anvisierte Rückkehr ca. 15 Uhr. Beides wurde, um es vorweg zu nehmen, nicht erfüllt: Auf weiten Teilen der siebenten Schleppe hatte ein Landwirt spontan den wahrgewordenen Alptraum vieler Pferde, nämlich eine umzäunte Rinderherde, ausgelassen, so dass man kurzerhand die Jagd trotz aufgebauter Sprünge um diese Schleppe verkürzen musste. Und um 15 Uhr befand sich die Jagdgesellschaft noch mitten im Gelände hinterhalb der Harburg.

Noch zwei Tage vor der Jagd ließen Sissi und Toni die aktuellen politischen Corona-Rahmenbedingungen zukommen, die den genehmigten Ablauf vorgaben. Dazu gehörten das Tragen der Mund-Nasen-Masken sowie der Hinweis auf das Einhalten der 1,5-Meter-Abstände.

Nach dem Eintreffen in der prachtvollen Burgschenke im Innenhof der Burg, in der der Eintrag ins Jagdbuch erfolgte, konnte sich jeder Reiter noch mit einem Glas Sekt und einem Weißwurstfrühstück stärken, selbstredend freundschaftlich und herzlich begrüßt durch Robert Guggenberger, seinen Sohn und Roberts Lebensgefährtin Andrea Bauer. Bereits in diesem imposanten Gewölbe, in dem die Geschichte der Burg durch verschiedene Wappen und durch diverse Utensilien von allen Wänden blickt, ertönten die wunderbar-klaren Hörner der Parforce-Horngruppe „Freischütz Schwaben“ sowie der Chiemgauer Parforcehornbläser mit dem Nachwuchs der „Bayerischen Jungwölfe“. Die „Jungwölfe“ zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie eine Trompe-Schule und ein junges Trompe-Bläser-Ensemble aus der Traunsteiner Region im Chiemgau sind und sowohl eine gesangliche als auch eine bläserische Ausbildung genießen.

Nach Begrüßungsansprachen von Toni Wiedemann, Präsident des SvBs, und vom Jagdherrn Robert Guggenberger ging es ans Satteln der Pferde und Reindrehen der Stollen, die für das zu erwartende, oftmals steinige Gelände durchaus empfehlenswert sind.

Recht steil auf einem steinernen Pfad stampften die rund dreißig Pferde samt Reitern zum Stelldichein den schmalen Weg zur Burg hoch – das laute Hufgetrappel auf dem Pflaster war weit zu hören – erst durch das „Untere Tor“, anschließend durch das „Innere Tor“, beide früher dazu gedacht, Feinde abzuhalten und die Burgbewohner zu schützen. Schließlich erreichten sie, einer hinter dem anderen und vorbei an einer Greifvogelvoliere, den eindrucksvollen Innenhof, der umgeben von der Burgmauer, historischen Gebäuden und den imposanten Türmen daliegt. Bereits ab diesem Zeitpunkt fühlte man sich ins Mittelalter zurückversetzt.

Nachdem sich die Reiter auf ihren Pferden und die Equipage mit 15 1/2  Koppeln Foxhounds in einem Halbkreis versammelt hatten, sprach der Vertreter der „Gemeinnützigen Fürst zu Oettingen-Wallerstein Kulturstiftung Vorstand Fritz Hertle als Zeichen der Verbundenheit ein paar einführende Worte, danach folgte eine kurze Ansprache des in diesem Mai 2020 frisch gebackenen ersten Bürgermeisters der Stadt Harburg, Christof Schmidt, und unterstrich seine Freude über das Stattfinden dieser Veranstaltung. Alle wünschte n der Jagdgesellschaft viel Freude und eine unfallfreie Jagd.

Robert, sichtlich bewegt von den beiden Bläsergruppen, die sich rechts und links im Burghof verteilt hatten und sich nun abwechselnd jagdliche Fanfahren zuspielten, stand gerührt mit seinem Sohn in der Mitte und ließ diese wirklich stimmungsvolle Kulisse auf sich wirken.

Nach dem Bügeltrunk, dem Jagdruf des SvBs: einem dreifachen „Horrido!“ – „Auf die Hunde, Auf die Pferde! Auf Jagdreiten in Bayern!“ und unter der Begleitung kräftiger Hornsignale begab sich die gut gelaunte Jagdgesellschaft auf die Strecke.

Der Jagdherr und seine Helfer hatten in den letzten Wochen alles perfekt geplant und vorbereitet, die Streckenführung klug ausgesucht, die Sprünge einladend aufgebaut und dekoriert.

So führte die erste Schleppe über die reizvolle Heidelandschaft hinter der Harburg, ungewohnt für viele Reiter und Pferde,

 weil zwischen dem hügeligen, kargen Boden immer wieder große Steinplatten liegen. Man muss seinem Pferd Vertrauen schenken und darauf zählen, dass das Tier unter einem auch im gestreckten Galopp weiß, wohin es tritt. Am Ende der Schleppe noch zwei schöne Sprünge, so dass diese bekanntermaßen nicht zu unterschätzende Jagd gleich zu Beginn zeigt, dass wir uns mitten in der Jagdsaison befinden.

Die zweite Schleppe bestand aus wunderbar langen Wiesenpassagen, mal eine Senke nach unten, dann wieder einen Hügel hinauf, aber letztlich in einem sportlichen Tempo den Hunden folgend.

Für die Foxhounds waren das Wetter und die äußeren Umstände nahezu optimal, sie jagten laut und mit Passion auf der Schleppe, ließen sich kaum beirren und zeigten durch ihr Geläut dem ihnen folgenden Jagdfeld die Richtung an. Selbst wenn die Schleppenjäger große Kurven im 180-Grad-Winkel angelegt hatten, die noch dazu über Sprünge führten, folgten sie dem Scent engagiert und spurtreu. Der perfekte Trainingszustand der diszipliniert geführten Meute war nicht zu übersehen!

Die folgenden Schleppen führten mal durch einen für die Gegend typischen herbstlich bunten Buchenwald, mal über lange Wiesen, immer wieder mit breiten Hindernissen unterbrochen, über die die Reiter bzw. ihre Pferde springen konnten. Am Ende jeder Schleppe ertönten die Hörner der Bläsergruppen weit über das Land und empfingen so das Jagdfeld.

Die Pause fand traditionell auf der Lichtung der Waldschänke Eisbrunn inmitten eines riesigen Buchen- und Mischwaldes statt, diesmal Corona-sei-Dank nur mit Getränken und ohne Imbiss.

 Auch hier spielten die beiden Bläsergruppen wieder jagdliche Stücke, unter anderem die Geburtstagsfanfare, die Andrea ihrem Robert in diesem Jahr zum 60. Geburtstag hatte komponieren lassen.

Danach folgten drei weitere Schleppen, die die vielfältige Landschaft des Nördlinger Rieses zeigten, immer hügelig, mal steiler, mal steiniger, selten länger gerade aus. Besonders erwähnenswert und zum Highlight dieser Jagd zählt gewiss die Strecke über die sogenannte Wellenbahn, die wirklich einmalig zu reiten ist. Die Schleppenleger haben diese Schleppe weit unten angelegt, über eine langgezogene Wiese, einem Weg folgend, der rasch nach oben führte und schließlich auf Heideboden endete. Doch damit nicht genug, schien der Boden anzufangen, sich in wellenförmigen Bewegungen unter den galoppierenden Pferden zu bewegen, nicht gleichmäßig, kein Sprung wie der andere. Höchste Konzentration für die Pferde, maximales Vertrauen vom Reiter – und zum Glück ohne Sprung!

Und dann kam ganz schnell die letzte Schleppe, noch einmal quer über die hügelige Landschaft der Alb, dann wirklich steil hinauf, wo die Pferde mit mächtigen Galoppsprüngen ihre letzten Kräfte aus sich herausholten, bis hinter der Kuppe „jungfräulich“ (Zitat RG) die beeindruckende Harburg am Horizont auftauchte. Halali! Halali!

 

Anschließend ritt die Jagdgesellschaft wieder zurück zur Burg, um im Innenhof den Hunden durch das Verteilen des Curées zu danken und die Brüche und den Jagdknopf in Empfang zu nehmen. Überall blickte man in vor Glück strahlende Gesichter, beseelt von den Eindrücken dieser gelungenen Jagd!

Robert Guggenberger dankte noch einmal ausdrücklich der Huntslady Sissi, die gemeinsam mit der Equipage die Foxhounds perfekt vorbereitet und optimal geführt hatte. Außerdem vergaß er auch nicht die Familien Roßmann und Barth zu erwähnen, die sich liebevoll um die Bewirtung gekümmert hatten, die Landwirte, die ihren Grund und Boden zur Verfügung gestellt hatten, die Stadt Harburg, die sich nicht gegen das Stattfinden der Schleppjagd gestellt hatte – und all die anderen Menschen, ohne die das Ausrichten einer Schleppjagd gar nicht möglich wäre.

Nach dem Versorgen der Pferde traf man sich diesmal unten am Parkplatz, wo es Kuchen und belegte Semmeln, einen wunderbaren Rum mit Tee und vieles andere gab. Auch hier konnte man noch einmal der festlichen Musik der beiden Jagdhörnergruppen lauschen. Als Krönung gaben die Chiemgauer „Jungwölfe“ a capella und glockenklaren Stimmen ein Stück zum Besten. Gänsehaut pur!, kann man da nur sagen!

 

Diese Schleppjagd auf der Harburg gehört bestimmt in den Kalender eines jeden Jagdreiters, denn keine Jagd auf der Harburg ist wie die letzte! Bitte weiter so, lieber Robert, und wenn Du eines fernen Tages nicht mehr aufs Pferd hinaufkommst, wird bestimmt Dein Sohn sehr gerne die Ausrichtung dieser Jagd als familiäre Tradition übernehmen!

 

Hoch oben thront sie mächtig, die beeindruckende Harburg, und blickt wissend nach unten auf die Erdenbewohner und die Ereignisse des Tages. Und bestimmt freut sie sich, dass es Menschen gibt, die liebgewonnene Traditionen bewahren und am Leben erhalten. Und sie freut sich gewiss auch, wenn sie im kommenden Jahr wieder die vielen Hufeisen spürt, die zu ihr hochmarschieren, um gemeinsam einen unvergesslichen Jagdtag zu erleben.

CR

 

Erste Bilder von Regina